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07.Feb.2019


Lissabon, Sintra, Porto


Lissabon 

 

Damit ich mich sprachlich nicht gleich wieder umstellen muss, bleibe ich im portugiesischsprachigen Raum: Um 5:00 Uhr Ortszeit komme ich in Lissabon an und suche mir erst einmal ein Flughafencafe, in dem ich mich noch ein paar Stunden wachhalten kann, bis ich zum Hostel weiterfahre. Den Unterschied zwischen Brasilien und Portugal spüre ich trotz meinem Fleecepulli und der Windjacke. Er beträgt genau 20 Grad. Zum Glück scheint aber die Sonne, so dass ich meinen Koffeeinrausch in einem Strassencafe wieder auffrischen kann. Anschließend laufe ich noch auf die Hügel der Stadt, um die Aussicht zu genießen. Im Hostel gibt es am Abend Sandwiches, so dass ich mir die Suche nach einem Restaurant sparen kann und direkt von der Küche ins Bett falle.


Der nächste Tag ist bewölkt. Ich schließe mich mit einigen anderen aus dem Hostel einer Free-Walking-Tour an, die durch Alfama, dem Ostteil der Stadt, geht. Die Tour ist recht unterhaltsam und, nachdem es gerade zum Ende der Stadtführung anfängt zu regnen, führt uns unser Guide noch in ein Restaurant. Da ich gerade etwas planlos bin, beschließe ich auch den Nachmittag eine Free-Walking-Tour mitzumachen. Drei andere aus der Vormittagsgruppe schließen sich auch an. Diesmal gehts ins Zentrum. Der Guide ist leider sehr daran interessiert weitere kostenpflichtige Touren zu verkaufen und versucht mich zu überzeugen meinen geplanten Sintra-Ausflug bei ihm zu buchen.


Einen weiteren Tag verbringe ich in Belem, dem Westteil von Lissabon. Neben dem Denkmal für Seefahrer und Entdecker (Padrao dos Descobrimentos) reizt mich hier vor allem ein Kunstmuseum, welches in einem alten Heizkraftwerk untergebracht ist.

Natürlich muss auch dem Mosteiro dos Jerónimos, welches zum Weltkulturerbe zählt, ein Besuch abgestattet werden. Man hat hier eine sehr interessante Strategie zum Zerstreuen der Schlange entwickelt: Zunächst werde ich am Eingang 100 Meter weiter zu einem anderen Tor geschickt, an dem ich mir an einem von drei Automaten das Ticket kaufen muss. Direkt neben dem Automaten ist zwar ein Eingang, aber von dort aus wird man mit dem gültigen Ticket wieder 100 Meter zurück zum Ausgangspunkt geschickt bis man endlich ins Kloster hineinkommt.

 

Sintra

Natürlich habe ich mich nicht dazu überreden lassen, eine Pauschaltour nach Sinatra zu buchen und so stehe ich früh am Bahnschalter um ein Ticket in die Nachbarstadt zu kaufen. Als ich meine 5 Euro abdrücke, denke ich mir, der Herr hat nicht verstanden, dass ich ein Hin-und-Rückticket möchte, aber es stellt sich heraus, dass die 40minütige Fahrt tatsächlich bloß 2,25 Euro kostet (0,50 Euro kostet die wiederverwendbare Chipkarte).
In Sintra gibt es gleich mehrere Schlösser, Burgen und Gärten. Mein Hauptziel ist das Quinta da Regaleira welchen von António Augusto Carvalho Monteiro entworfen wurde. Selbst wenn man davon noch nichts gehört hat, die Bilder vom Initiation Well, einem Treppenschacht im Park, der in ein Höhlensystem führt, hat man garantiert schon einmal gesehen.

Das ganze Parklabyrinth ist voll von Brücken, kleinen Türmen, Treppen, Grotten, Wasserfällen und Höhlen. Schon alleine deswegen lohnt es sich hinter jede Ecke zu schauen, denn allzuoft verbirgt sich da noch eine verstecke Spindeltreppe die in geheimnisvolle Tiefen führt. Zum Glück ist heute wenig los. Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Horden hier in der Hauptsaison und bei schönem Wetter erst unterwegs sind.


Nach vier Stunden habe ich dann doch alles gesehen und beschließe, noch eine weitere Burg anzusehen. Ich folge dem Schild zu einem Wanderpfad zur maurischen Burg (Castelo dos Mouros). „Burg“ ist zwar etwas viel versprochen, aber von der Festung hat man einen wunderschönen Ausblick nach allen Seiten. Wenn nicht der Wind so furchtbar stark wäre, die Burgmauern niedrig und Geländer nur homöopatisch vorhanden.


Es geht zurück ins Tal. Auf dem Weg zum Bahnhof liegt noch das Nationalschloß von Sintra, welches mit seinen zwei riesigen kegelförmigen Schloten aussieht wie der mittelalterliche Versuch eines Kraftwerks. Tatsächlich befand sich IN diesem Doppelschlot die Küche. Eine weltweit einmalige Konstruktion.


Rechtzeitig zum Sangriaabend bin ich im Hostel, aber es ärgert mich, dass ich gerade mal drei von den viele Sehenswürdigkeiten Sintras geschafft habe.
An meinem letzten Tag nehme ich die Linie 28 durch Lissabon. Diese wird mit historischen Wagen betrieben. Nicht wegen der Nostalgik, sondern weil bloß die alten Wagen die engen und steilen Straßen meistern können.

Man sollte früh an der Endhaltestelle sein, wenn man noch einen Sitzplatz bekommen möchte. Nach 45 Minuten stecken wir leider im Verkehr einer der engen Straße fest. Als der Fahrer mit einer mir unverständlichen Durchsage die Türen öffnet, springe ich auch heraus und eile zurück zum Bahnhof um den nächstbesten Zug nach Sinatra zu nehmen und wenigstens noch eine Sehenswürdigkeit des Lissabonner Nachbarn zu sehen: Pena Castle und Pena Park.


Das Wetter ist schön, der Touristen sind reichlich unterwegs. Das Pena Castle fällt schon von weitem durch seine bunte Farbgestaltung auf. Der riesige umliegende Park macht einen verwunschenen Eindruck, mit seinen moosbedeckten Felsen, kleinen Seen und alten Gebäuden.

 

Porto

Ich fahre mit dem Zug weiter nach Porto. In den dreieinhalb Stunden Fahrzeit hat man immer wieder links einen schönen Blick aufs Meer. Porto macht einen durchwachsenen Eindruck. Auf dem abendlichen Weg vom Bahnhof zu meinem Hotel passiere ich viele leerstehende Gebäude. Ich suche mir ein einladend aussehendes Restaurant und bestelle mir die Spezialität von Porto: Francesinha (kleine Französin), ein überbackenes Sandwich mit Wurst und Ei, ertränkt in einer Tomaten-Bier-Soße.

Auch in Porto habe ich erstmal Glück mit dem Wetter und so schaue ich mir die Gegend an, laufe über die Ponte-Luis-Brücke auf die andere Seite und bewundere die Straßenbahnfahrer, die es schaffen, keinen von den selfimachenden Touristen zu überfahren. Das Nonnenkloster ist besichtigungstechnisch sehr übersichtlich. Man sieht einen alten unschönen Innenhof, ein Filmchen und das war es. Kein Besuch in Porto ist komplett ohne mindestens eine Kellerführung und eine Portweinverkostung. Die ersten beiden Keller an denen ich vorbeikomme, bieten englischsprachige Touren aber erst in einer, bzw. eineinhalb Stunden an.

Um so mehr freue ich mich, als ich dann eine kleinere Kellerei finde, die das weniger formalisiert macht. „Wir haben drei Leute, die Tour geht los“. Die Tour ist zwar übersichtlich, aber die Verkostung schön gemacht. Meine irische Sitznachbarin bietet mir ihren zweiten Verkostungsport auch noch an. Leicht beschwingt folge ich danach einem Schild „Croft“ bei dem ein Scherzbold „Lara“ davorgekritzelt hat und lande bei der nächsten Kellerei. Die Tour ist ausführlicher und es gibt drei Ports zum Probieren. Dafür darf man den Eintrittspreis hier nicht mit Einkäufen verrechnen. Nach so vielen Portweinen brauche ich erst einmal etwas zu essen bevor ich noch in den Douro Fluss plumpse.

Am letzten Tag regnet es. Ich besuche das zeitgenössische Museum, welches nicht weiter erwähnt werden muss, rette mich vor dem Regen in einen Burgerladen und besichtige noch einen Friedhof. Kurz schaue ich noch bei dem Buchladen vorbei, in dem Joanne K. Rowling ihre bewegenden-Treppen-Idee für Harry Potter hatte. Der Eintritt kostet allerdings, so begnüge ich mich mit einem Blick durch die Schaufenster,

Ich kann es nicht glauben, schon wieder sind sechs Monate rum, schon wieder habe ich 13 Länder gesehen, schon wieder hat der schöne Traum ein Ende und es geht zurück ins diesmal kalte Deutschland.



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