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14.Jan.2019


Foz do Iguazu nach Rio de Janeiro


Foz do Iguazu

Ich sitze gerade in meinem Hostel in Brasilien bei über 30 Grad im Schatten (um 21:00) mit 75% Luftfeuchtigkeit und versuche noch einen Artikel zu Stande zu bringen. Die Klimaanlage wird erst ab 22:00 eingeschaltet, der Ventilator hilft bei der Luftfeuchtigkeit nicht viel und die "kalte" Dusche hat nichts gebracht. Wie auch, wenn der Wassertank auf dem Dach steht und den ganzen Tag in der Sonne geschmort hat. Aber fangen wir an mit der Einreise nach Brasilien:
Nach dem Grenzfluss kommt die brasilianische Grenze. Hier wird der Grenzübertritt ziemlich locker gesehen. Der Bus hält noch nicht einmal, sofern man nicht die Halteleine zieht. Tatsächlich kann man einen Tagesausflug nach Brasilien machen ohne sich mit den brasilianischen Grenzformalitäten befassen zu müssen. Will man länger bleiben oder über einen internationalen Flughafen ausreisen braucht man allerdings einen Einreisestempel. Also springe ich auf und ziehe die Halteleine. Drei Asiaten schließen sich eher zögerlich mit an. Vom Busfahrer bekommen wir ein Weiterfahrtticket, da der Bus idR nicht wartet, sondern man den nächsten Bus nehmen muss, der eine Stunde später fährt. (Oder man den Bus einer anderen Gesellschaft nimmt und dafür zweimal zahlt). In Brasilien gibt es einen schnellen Stempel in den Pass (Imigrationskarten sind seit ein paar Monaten abgeschafft) und das war alles.

Mit dem nächsten Bus geht es direkt zum Urban Bus Terminal, an dem fast alle Nahverkehrsbusse halten und von dort aus zu Fuß ins Hostel, welches eher eine Guesthouse ist. Ich frage, ob die Gegend hier sicher ist. Jaja, alles kein Problem. Nur die Wege zum Fluss runter sollte ich besser meiden. (Und das im Fernseher in meinem Zimmer der Hostelname eingeritzt wurde, hat bestimmt auch nur kosmetische Gründe). Ich mache einen kleinen Rundgang und lande in einem netten Restaurant mit Außenterasse. Von der Karte bestelle ich mir etwas, was gut klang und dem Preis nach auch nicht zuviel sein sollte. Die Kleinigkeit entpuppte sich dann als Fleischberg.
Früh (dachte ich zumindest) geht es am nächsten Morgen zu den Wasserfällen los. Ich will ja nicht wieder in die Tourimassen geraten wie in Puerto Iguazu. Am Urbanen Busterminal zahlt man das Ticket nicht beim Fahrer, sondern zentral am Eingang (jedes Ziel kostet das gleiche). Das erspart einem, im Bus sich durch das Drehkreuz zwängen zu müssen (besonders mit Gepäck macht das Spaß, also für die Anderen).

Eine halbe Stunde später bin ich am Eingang vom Nationalpark und vor mir eine lange Schlange. Nach 60 Minuten anstehen habe ich mein Ticket und muss 20 Meter weiter zur nächsten langen Schlange, die sich beim Bussteig gebildet hat. Vom Eingang zu den Wasserfällen liegen 10 Kilometer, weswegen man doch lieber mit den Parkbussen fährt. Wieder 60 Minuten anstehen. Wie voll wird das dann erst im Park sein, nachdem der kleiner ist als auf der argentinischen Seite?


Im Park selber ist es dann noch weniger voll als befürchtet, lediglich beim Highlight am Schluss: Ein Steg zum Wasserfall, auf dem man nass wird, ist es unanständig voll. Generell hat mir die brasiliansiche Seite besser gefallen, da man hier einen schöneren Überblick über das Naturschauspiel hat. Nach zwei Stunden bin ich fertig. Die Wartezeit auf dem Bus zum Parkeingang ist relativ kurz, die lange Schlange bildet sich erst hinter mir.

Vom Nationalpark geht es gegenüber zu einem Vogelpark (Parques des Aves). Hier kann man viele Vögel in zum Teil großen Volieren bewundern und auch einige Reptilien sind dabei.

Ich freu mich, zurück ins Hostel und in den Pool zu kommen. Leider währt die Vorfreude nur kurz, um genau zu sein, solange bis ich im Pool bin. Das Wasser ist so warm, dass keine Kühlung möglich ist. Auch der Versuch noch online ein Spezialticket (mit Führung durch das Kraftwerk) von Itaipu zu bekommen scheitert. Es gibt nur noch welche für Spätnachmittag und die kann ich nicht kaufen (Vielen Dank auch Paypal!). Am nächsten morgen geht es mit einer anderen Buslinie zum Itaipu-Staudamm.

Itaipu ist das, inzwischen nur noch, zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Die Betreiber werden aber nicht müde, zu betonen, dass es immer noch die effizienteste Stromausbeute relativ zur Fläche der Umweltbeeinträchtigung hat. Itaipu ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Brasilien und Paraguay. Paraguay gewinnt zwischen 75% und 90% seines Stroms aus dem Kraftwerk (die Quellen gehen hier etwas auseinander).


An der erfrischend kurzen Schlange am Besucherzentrum frage ich ob es vielleicht doch noch ein Spezialticket für heute Vormittag gibt. Der Mitarbeiter schaut in seinen Computer und bittet mich dann mich 10 Minuten an die Seite zu stellen. Eine Tour würde gleich losgehen und es wurden noch nicht alle verkauften Tickets abgeholt. 15 Minuten später ruft er mich wieder. Ich habe Glück und es ist ein Platz freigeworden. Ich muss nur schnell meinen Rucksack wegsperren und hinter zu den Tourbussen, die Tour geht gleich los. Ich bin der einzige nicht portugiesisch sprechende in der Tour. Unser Guide fragt mich daraufhin ob er es in englisch machen soll oder gleich in deutsch. Vom Kraftwerk wird zwar bloß portugiesisch, spanisch und englisch angeboten aber er hatte deutsche Großeltern, die ihm deutsch beigebracht haben. Zunächst werfen einen Blick direkt in die Staumauer und sind überwältig von den Dimensionen, zur Seite, nach oben und nach unten. Anschließend geht es zum Kontrollgebäude wo wir von oben in den Kontrollraum blicken dürfen.

Eine symbolische gelbe Linie markiert die Landesgrenze. In welchem Land man sich befindet, sieht man, wenn man einen Blick auf die Steuertafeln wirft: Für Brasilien wird 110 Volt und 60 Hz erzeugt, für Paraguay 220 Volt und 50 Hz. Dann geht es in den Untergrund unter die Turbinenhalle und wir dürfen eine der riesiegen Turbinenstangen sehen. Zum Abschluss fahren wir mit dem Bus über das Gelände und an der Staumauer entlang.


Mein Flug nach Rio de Janeiro geht um 12:45, spätestens um 10:45 soll ich am Airport sein, aber überpünktlich wie ich bin, bin ich schon um 10:15 da. Ich bin ja schon eingecheckt und es ist ja bloß ein kleiner Provinzflughafen. Schon hinter dem Eingang beginnt eine Schlange. Noch bevor man zu den Schaltern kommt, muss man sein Gepäck durchleuchten lassen. Aber es geht schnell vorwärts alles nicht so wild. Um 10:35 habe ich den größten Teil der Schlange geschafft und schiebe mich an einem Monitor vorbei, auf den ich einen Blick werfe: 11:35. (Lach) Die haben doch tatsächlich die falsche Uhrzeit im System! ...Oder etwa nicht? Ich frage einem umherstehenden Latam Mitarbeiter "Rio de Janeiro?" Ohne weiteren Kommentar schickt er mich prompt an der Schlange vorbei. Danach die nächste Schlange am Baggage Drop. Ich frage den Amerikaner vor mir wie spät es tatsächlich ist: "11:40". Mein Blick muss so entsetzt gewesen sein, dass er mich sofort vorlässt. Einer Mitarbeiterin am Checkin-Automaten zeige ich mein online Boarding-Pass. Sie schaut auf das Ticket, dann auf ihre Uhr, dann nimmt sie mein Handy und geht zum Schalterbeamten, der auch nochmal kritisch auf das Ticket und seine Armbanduhr schaut. Ich werde direkt zu einem Sonderschalter geführt, an dem ich noch schnell meinen Rucksack aufgeben kann. Nur noch schnell durch die Sicherheitskontrolle und ich stehe direkt an der der Boardingschlange am Gate. (Das Flugzeug fliegt sogar 20 Minuten früher als geplant los). Ich hatte tatsächlich gar nicht daran gedacht, dass sich trotz der kleinen übersichtlichen Grenze, Brasilien in einer anderen Zeitzone befindet als Argentinien. Jetzt wird mir auch klar, warum der Wasserfall so "früh" schon so voll war und warum ich im Hostel schon ab 6:00 Geschirrklappern gehört habe, wo doch das Frühstück erst um 7:00 losging.

 

Rio de Janeiro - schönste gefährliche Stadt

 

Der domestic Airport in Rio ist auf einer kleinen Insel direkt vor der Stadt. Gerade mal zwei Kilometer von der U-Bahnstation entfernt. In jeder anderen Stadt wäre ich das gelaufen, aber in Rio... Ich nehme eines der teuren "prepaid" Taxis und fahre in das Viertel Laranjeiras welches als ziemlich sicher gilt. Hostel Cafe Rio ist wieder ein kleines Familienhostel, mit aktuell gerade mal zwei Gästen. Davon spricht einer kein englisch und einer kein portugiesisch (und das bin ich).


Da die bergigen Hauptattraktionen und Wahrzeichen der Stadt am Wochenende besonder voll sein sollen, besuche ich am Sonntag (meinem ersten Tag in Rio) zuerst das Museum der Zukunft (Museu do Amanha). Ein Teil kann ich mit der U-Bahn fahren, welche ausgesprochen modern ist, ein Teil muss ich leider laufen. Nach üblen Geschichten aus der Stadt bin ich darauf bedacht, nur Straßen zu nehmen auf denen noch andere Leute unterwegs sind. Das Museum der Zukunft ist ein extrem futuristischer Bau. Gegliedert ist er in mehrer Stationen, jeweils mit einer Projektion oder Installation und vielen Monitoren an denen man interaktiv Wissen vermittelt bekommt. Naturgemäß geht es besondern um das Univerum, die Erde, die Folgen durch den Menschen und die Umweltzerstörung.

 

Ich laufe noch ein bisschen an der Uferpromenade entlang, statte dem Kulturzentrum in einem alten Bankgebäude einen Besuch ab bis ich stadteinwärts zu einer U-Bahnstation will. Was man in Rio laut einigen Quellen nicht machen sollte: Im Zentrum am Sonntag, wenn alles geschlossen hat, alleine rumlaufen, infolgedessen laufe ich am Sonntag, wenn alles geschlossen hat, im Zentrum alleine rum.

Nach ein paar Straßen komme ich endlich am Platz mit der U-Bahn Haltestelle an. Hier waren plötzlich wieder Leute, aber keine denen ich nachts begegnen möchte, also schnell in den nächsten U-Bahn-Eingang rein und .... gegen das Absperrgitter geknallt. Ein Schild verkündet, dass am Sonntag nur einer der fünf U-Bahn-Eingänge offen ist. Nach kurzer Suche dann den richtigen gefunden und auf geht es Richtung Süden an die Copacabana.

Hier gibt es viel zu sehen und zwar vor allem die Berge, die den Strand umsäumen. Viel zu sehen gibt es auch bei den Badegästen, der "Zahnseide-Bikini" ist groß angesagt. Leider wird dadurch auch viel enthüllt, was besser verhüllt geblieben wäre. Mir wird schlecht. Es gibt nicht nur viel bei den Badegästen zu sehen, sondern auch zuviele Badegäste zu sehen. Der Strand ist restlos überfüllt. Zumindest meine Beine stecke ich kurz ins Wasser. Naja genau genommen, kommt das Wasser eher zu mir als ich mich zu weit für ein Foto vorwagte und die Wellen unterschätze. Etwas weiter liegt der Strand von Ipanema, besonders bekannt durch das Lied "Girl from Ipanema".


Am nächsten Tag stehen die Wahrzeichen auf dem Programm. Nachdem es fast um die Ecke zu meinem Hostel liegt: zuerst mit der Zahnradbahn zum Corcovado auf dem die Christusstatue trohnt. Leider muss ich erst einmal 90 Minuten warten, da ich mein Ticket nicht im voraus gekauft habe.

Aber da ich alleine bin bekomme ich noch einen Restplatz. Mit der Zahnradbahn geht es 20 Minuten nach oben. Auf der rechten Seite hat man stellenweise einen sehr schönen Ausblick. Oben kann man den Rest laufen oder Aufzug und Rolltreppe nehmen. Ich laufe. Direkt vor dem Erlöser muss man schon sehr aufpassen, dass man nicht versehentlich irgendwelche Touristen "erlöst" die versuchen auf dem Boden liegend ein möglichst gutes Foto von der Statue zu machen.

Der Ausblick auf Rio ist toll, aber nach einer Stunde bin ich vom Gedränge etwas genervt und fahre hinunter, um zu versuchen auch noch den Zuckerhut unterzubringen.

Am frühen Nachmittag sind die Schlangen am Zuckerhut übersichtlich. Zunächst geht es mit der ersten Seilbahn auf den Urcahügel (Morro da Urca) und dann mit einer weiteren Pendelbahn zum Pão de Açúcar (Zuckerhut). Von beiden Bergen hat man eine fantastische Aussicht und es ist auch nicht so voll, dass man nicht ein paar Stunden hier verbringen könnte, nur beschäftigt mit "Nunderguggen".

Zurück geht es in Richtung Hostel wo ich auf dem Weg noch ein Abendessen einnehme. Obwohl ich versuche auf portugiesisch zu bestellen, dreht sich der Brasilianer am Nachbartisch um und fragt "Sie kommen aus Deutschland, oder?".
Die Mahlzeiten in Rio bestehen meisten aus einer Hauptzutat (Fleisch, Huhn, etc) und zweierlei Beilagen (meist Reis und Pommes) und Bohnen und Manjokmehl.

Nachdem ich mit meinem Programm so gut durchgekommen bin, will ich am dritten Tag die Free Walking Tour in der Innenstadt machen. Vier Stationen mit der U-Bahn, ich liege gut in der Zeit. Eine ältere Brasilianerin neben mir spricht mich erst auf portugisisch, dann auf englisch an und fragt wo ich hin möchte. Eine Station weiter stehen wir minutenlang, dann kommen Durchsagen. Die Dame übersetzt mir, dass es irgendeinen Zwischenfall gab aber es gleich weitergeht. Nach 10 Minuten geht es im Schritttempo weiter zur nächsten Station. Erneute Durchsage. Wir sollen bitte alle den Zug verlassen, der Verkehr auf dieser Strecke ist bis auf weiteres eingestellt. Die Brasilianerin sagt mir, ich soll mich an sie halten, wir wollen ein Taxi nehmen. Durch ein ziemliches Gewusel schieben wir uns zum Ausgang. Viele machen Bilder und Videos von dem Chaos. Immer wenn ich durch die Mengen nicht hinterherkomme, sagt sie den anderen ich gehöre zu ihr und man lässt mich bereitwillig durch. Ein Taxi zu bekommen erweist sich als schwierig. Diese Idee hatten viele andere auch. Kein Problem: Wir nehmen den Bus. Da sind wir zumindest die ersteren mit dieser Idee und bekommen noch Sitzplätze, bevor es voll wird. Sie beteuert immer wieder, dass sie jetzt schon so lange in Rio wohnt, aber das ist noch nie passiert. Ein paar Stationen weiter müssen wir aussteigen und versuchen unser Glück erneut mit dem Taxi. Diesmal mit mehr Erfolg. Ich verstehe wie sie mit dem Taxifahrer diskutiert, wo er mich am besten herauslässt. Dann sagt sie mir, dass ich hier aussteigen müsse. Ich will wenigstens den Teil des Taxis zahlen, aber sie weigert sich, es anzunehmen. Ich bin endlich an meinem Ziel angekommen, aber leider 25 Minuten, nachdem die Tour losgehen sollte. Zumindest suche ich schon mal den Treffpunkt für den zweiten Versuch am nächsten Tag. Aber da steht tatsächlich noch jemand im roten T-Shirt von der Tour. Aufgrund des U-Bahn Ausfalls haben sie eh erst vor 20 Minuten angefangen. Sie bringt mich zur Gruppe. Die Tour geht durch die Innenstadt, im Gegensatz zum Sonntag ist hier weitaus mehr los. Sie endet an der Fliesentreppe (Escadaria Selaron), die nach Santa Teresa führt.


Auf der Treppe selber ist jede Menge los. An der Straße in die das oberen Ende der Treppe mündet ist dagegen kein Mensch. Ich beschließe doch lieber umzudrehen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Santa Teresa zu fahren. Die interessanteste aber teuerste Option ist eine alte Straßenbahn, die zum Teil auf einem alten Aquädukt entlangfährt. Nach einem schweren Unfall vor ein paar Jahren fährt sie nun wieder und ich komme ins Künstlerviertel von Rio de Janeiro.
Auch ein Abstecher in den botanischen Garten muss noch sein, nachdem mir das von verschiedenen Einheimischen empfohlen wurde. Mit dem Metrobus geht es direkt dahin. Im Gegensatz zum regulären Bus hält er seltener, steht aber genau so oft im Stau fest. Ich genieße es, nach den Massen und dem Trubel in der Innenstadt endlich mal wieder im Grünen zu sitzen.
Viereinhalb Tage Rio de Janeiro sind schnell vorbei und ich bin weder beraubt noch beklaut worden. Alles machbar. Ich freue mich aber, die nächsten Tage wieder aus der Stadt rauszukommen um auf Ilha Grande Natur und Meer zu genießen.



Kommentare

von heidi um 14.Jan.2019 um 15:23


bei soviel Pech( Flughafen,Zug,Taxi,Bus)immer wieder hilfsbereite nette Menschen zu treffen,ist mehr als nur Glück. Weiterhin so viel Glück :-) ;-)
>> Antworten

von Katja.fri um 15.Jan.2019 um 15:49


Spannende und tolle Geschichten. Würdest Du Rio wieder machen?
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