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16.Nov.2018


Adelaide bis Canberra


Ein paar australische Besonderheiten:

  • WiFi: Vor fünf Jahren noch eine Besonderheit die teuer bezahlt werden muss, hat es sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Nicht nur Hostels und Hotels bieten oftmals kostenloses Internet an, auch an vielen Plätzen und Innenstadtbereichen gibt es WLan und jetzt funktioniert es auch tatsächlich.
  • ÖPNV: Ist im inneren Bereich vieler Städte kostenlos. zb in Perth, Adelaide, Melbourne
  • Cafes 1: Die meisten Cafes schließen am Nachmittag gegen 3 oder 4. Danach ist es fast unmöglich, noch einen Kaffee zu bekommen. Das ist wahrscheinlich die Rache an den Briten, die so unmöglich zu ihrem 5 o'clock Tea kommen.
  • Cafes 2: Wenn man einen Kaffe an der Theke bestellt (sofern man ihn nicht "to go" ordert") wird man gebeten erst einmal Platz zu nehmen (oftmals mit einer Nummer), während die Zubereitung zelebriert wird. Bestellen mehrere Leute auf einmal Kaffee kann es schon mal einige Zeit dauern bis der Kaffee an den Tisch gebracht wird.
  • Kinder: Sitzen einige Mütter mit Kindern im Cafe sieht es danach aus wie ein Schlachtfeld. Nicht nur am eigenen Tisch (was ja noch normal wäre) sondern großflächig außenrum. Da werden auch von den Nachbartischen Speisekarten zerknüllt und auf den Boden geworfen ohne, dass es die jungen Mütter interessiert. Aber wehe, der Kleine greift in die Hundtränke: Mit einem Aufschrei stürzt die Mutter los um ihn sofort von dem "hochkontaminierten Gewässer" fortzureisen, während ihre Freundin schon das Notfalldesinfektionsmittel auspackt, um sofort alles was nicht nach Baby aussieht restlos abzutöten.

Adelaide


Vom Bahnhof im Südwesten laufe ich frühmorgens ich in die Stadt. Das Innere von Adelaide liegt mitten in einem grünen Rechteck mit vielen Victorianischen Gebäuden. Es gibt ein paar kostenlose und sehenswerte Museum (Kunstgallerie, südaustralisches Museum) und einen Zoo mit Riesenpandas.


Wenn man noch etwas Zeit übrig hat, kann man mit dem Bus nach Port Adelaide fahren. Wirklich viel gibt es da eigentlich nicht zu sehen.

Eines der Höhepunkte ist das Eisenbahnmuseum. Davon gibt es zwar mehrere in Australien, aber dieses lohnt sich wirklich. Das liegt vor allem an der geographischen Lage Adelaides: im Westen, Norden, Osten ist über hunderte von Kilometer nichts bis zur nächsten Stadt. Anders lediglich im Süden: Da ist das Meer.
Dadurch laufen in Adelaide die drei großen Linien (Ghan, IndianPacific, Overlander) zusammen. Im Eisenbahnmuseum gibt auch Originalwagen des Tee-and-Sugar-Trains der früher die Gegend mit Lebens- und Haushaltsmitteln versorgt hat. Zeitweise hatte der Zug sogar einen Bankwagen, einen Kinowagen und einen Weihnachtsmann dabei.


Von Adelaide bietet sich ein Ausflug nach Kangaroo Island an. Mangels Zeit mache ich leider nur einen Tagesausflug: Wir sehen Seelöwen, Koalas und atemberaubende Landschaften.

 

Auf dem Rückweg unterhalte ich mich mit einer Dame, die auf der Insel lebt und nur vier mal im Jahr auf das Mainland kommt. Diesmal weil sie erneut Großmutter geworden ist. Ihre letzte Busfahrt auf dem Festland scheint auch schon eine Weile her zu sein, da sie ihr Erstaunen darüber zum Ausdruck bringt, dass die Busse jetzt so große Fenster haben und dass man sich anschnallen muss.

 

Overlander


Nun will ich auch noch den letzten großen Zug in Australien machen, den Overlander von Adelaide nach Melbourne. Im Gegensatz zu den anderen beiden Strecken braucht dieser "nur" 11 Stunden und hat keine Schlafwagen. Außerdem ist er mit 66 Euro ausgesprochen günstig. Legt man nochmal 60 Euro drauf, dann darf man in die erste Klasse, hier hat man nicht nur wesentlich mehr Platz, es gibt auch noch Frühstück, Mittagessen, Kaffee und sämtliche nichtalkoholischen Getränke inklusive.

Bevor wir losfahren will ich noch ein Foto von der Lok machen. Als ich den Lokführer frage, ob er was dagegen hat mit auf dem Foto zu sein, antwortet dieser "Hop in, we make a photo of you!". Bevor ich mich versehe, sitze ich auf dem Lokführersitz und bestaune die vielen Schalter und Hebel. Jetzt nur nichts anfassen, was mit Feinde in fünf Wagons machen könnte.


Die Fahrt im Overlander ist selber nicht sonderlich spektakulär, aber ich genieße es nach dem Hostel mal wieder ein paar Stunden Ruhe zu haben und nur aus dem Fenster schauen zu können. Die australische Bahn zeigt sich spendabel: Wir bekommen ganze 90 Minuten Fahrzeit zusätzlich geschenkt. Grund sind einige Signalstörungen, aufgrund derer die Abschnitte nur in Langsamfahrt durchquert werden dürfen.
Um 20.00 kommen wir schließlich in Melbourne an.

 

Melbourne

 

Melbourne ist die zweite Stadt, die ich auf beiden Weltreisen sehen werde. Insofern nutze ich die Zeit, um ein paar Orte wiederzusehen, die mir das letzte Mal gut gefallen haben (z.B. Federation Square, Ponyfish Bar) ein paar Museen, die ich beim letzten mal verpasst habe. (Old Treasue House, National Gallery of Victoria) und etwas zu relaxen.
Ich habe mir ausgerechnet den Tag des Melbourne Cups (ein Pferderennen) ausgesucht. Morgens gießt es noch in Strömen (so schlimm, dass sogar in den Abendnachrichten darüber berichtet wird) aber tagsüber hört es auf. So kann ich am Federation Square tatsächlich das Rennen auf der Großleinwand verfolgen.


Über der Stadt donnern Hubschrauber im Tiefflug hinweg. Im Abstand von einigen Minuten aber immer in der gleichen Richtung. Wie ich später beim Spaziergang herausfinde, befindet sich auf dem Fluss ein schwimmender Heliport, welcher Rundflüge anbietet.
Ich treffe mich mit Caroline, die ich auf dem Trip an der Westküste kennengelernt habe, die auch gerade zufällig in der Stadt ist. Wir verabreden uns am Ponyfisch zum Lunch, gehen danach etwas spazieren und enden in einem Cafe am Federation Square. Ein Hubschrauber donnert wieder über uns hinweg. Ich schau schon gar nicht mehr hoch, aber Caroline sagt "Oh diesmal ist es ein anderer". Kurz danach verabschieden wir uns. Sie trifft sich mit ihrer Verwandtschaft und ich will mir noch den Shrine of Rememberence ansehen.

Ein kurzer Blick nach oben lässt mich aber meine Pläne ändern. Zum einen ziehen gerade Regenwolken auf, aber was mich mehr beunruhigt ist die Tatsache, dass jetzt drei Helikopter über der Innenstadt stehen. Ich beschließe, in die Unterkunft zurückzukehren, um mal die Nachrichten einzuschalten. Soweit komme ich gar nicht mal, zwei Straßen vorher ist die Querstraße von der Polizei gesperrt und was nicht abgesperrt ist, wird von Schaulustigen bevölkert. Nicht, dass es gerade irgendwas zu schauen gäbe außer einem Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr. Einige Reporter bauen schon Kameras auf. Ich schlage mich bis zum Hotel durch, um den Fernseher einzuschalten: Direkt um die Ecke hat jemand sein Auto in Brand gesteckt und ist mit einem Messer auf Umherstehende losgegangen.
Ich beschließe, dass ich mir den Abend weder von einem Idioten noch vom einsetzenden Regen vermiesen lasse, und laufe nochmal los um das kostenlose Konzert am Federation Square in einem der aufgebauten Liegestühle zu genießen. Bei schönem Wetter kann ja jeder im Liegestuhl sitzen.

 

Canberra

 

Eigentlich fehlt mir nur noch eine Stadt in Australien auf meiner Liste: Canberra, die Hauptstadt. Da sich Sydney und Melbourne nicht einigen konnten, wer von beiden Hauptstadt sein darf, hat man 1913 einfach eine neue Stadt dazwischen gebaut.
Fragt man einen Australier, ob man Canberra besichtigen sollte, so antworten 80%, dass man sich das sparen kann. Allerdings waren die meisten davon tatsächlich selber nie dort. Die restlichen 20% (von denen die meisten schon mal da waren) sagen, dass man dort durchaus zwei Tage rumbringen kann um die zahlreichen Nationalmuseen zu besichtigen. Die Busfahrt nach Canberra dauert acht Stunden. Um 17:00 komme ich an, checke im Hostel ein und ziehe los. Man merkt, dass die Stadt vom Reißbrett stammt. Große, kaum befahrene Ausfallstraßen aber auch sehr viel Grünflächen dazwischen. Nicht umsonst wird Canberra auch als Stadt in einem Park bezeichnet. An einem Sonntagabend kann es dort aber ziemlich einsam sein. Ich hab schon am Friedhof mehr Stimmung erlebt. Immerhin finde ich doch noch ein Restaurant, welches offen hat.

Fairerweise muss ich zugeben, dass am nächsten Montag schon deutlich mehr los war. Wenn man Museen mag, kann man in Canberra auch durchaus mehr als zwei Tage verbringen. Die Museen sind riesig und fast alle kostenlos oder gegen Spende. Alleine für das Nationalmuseum von Australien brauche ich vier Stunden.

Das National War Memorial ist nicht nur eine Gedenkstätte, sondern auch ein großes Museum über die Kriegsgeschichte. Von dort laufe ich die ANZAC (Australian and NewZealand Army Corps) -Parade Richtung Parlamentsviertel.

Das neue Parlamentsgebäude ist im wahrsten Sinne des Wortes ein offenes Haus. Lediglich eine kurze Taschenkontrolle und ein Metalldetektor dann darf man sich in weiten Teilen des Gebäudes frei bewegen. So kann es durchaus sein, dass einem ein Abgeordneter den man eben noch im Sitzungssaal gesehen hat, plötzlich über den Weg läuft.

neues Parlament

Natürlich darf man auch in das Senatshaus und das Repräsentantenhaus. Wenn gerade keine Sitzung ist einfach so, wenn eine Sitzung ist, dann muss man vorher alles (auch Handy und Geldbeutel) abgeben. Ich schaue kurz in die Senatsversammlung in der gerade gesprochen wird, auch wenn nur wenige Abgeordnete anwesend sind.
Wem das noch nicht genug Politik ist, der kann sich auch noch das alte Parlamentsgebäude ansehen.

 

Für 200 Leute gebaut, waren zum Schluss bis zu 3000 Leute dort anwesend, so dass ein neues Gebäude gebaut werden musste. Die Räume sind größtenteils so belassen oder wieder hergerichtet wie sie zur Zeiten der Nutzung waren. So schreckt man schon mal beim Betreten eine Raumes zurück, weil man angesichts der Aktenorder auf den Schreibtischen glaubt, gerade in ein aktuelles Verwaltungszimmer gelaufen zu sein.


An meinem letzten Tag in Canberra regnet es, so dass ich noch einen (tata) Museumstag einlege und mir auch noch die Nationalgalerie ansehe. Danach reicht es selbst mir mit Museen und Galerien, obwohl immer noch einige unbesichtigt sind.
Es geht mit dem Bus zurück nach Melbourne wo ich zum letzten mal abends durch den Central Business District durchschlendere, bevor ich am nächsten Tag zu meinen Flügen nach Tahiti aufbreche.



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